
Shopify ist so gebaut, dass man keine Agentur braucht. Genau das ist das Verkaufsargument: Theme aussuchen, Produkte einpflegen, Zahlungsanbieter verbinden, fertig. Tausende Shops laufen so, und für viele ist das die richtige Entscheidung.
Und trotzdem gibt es einen Punkt, ab dem Selbermachen teurer wird als Beauftragen. Dieser Artikel beschreibt, wo dieser Punkt liegt, was eine Agentur kostet, und woran du erkennst, dass du bei einer guten gelandet bist.
Wann du keine Agentur brauchst
Wenn alle folgenden Punkte auf dich zutreffen, spar dir das Geld:
- Du verkaufst weniger als etwa 50 Produkte ohne komplizierte Varianten.
- Ein gekauftes Theme deckt dein Design ab, oder Design ist dir nicht wichtig.
- Du versendest im Inland, mit einem Versanddienstleister, ohne Sonderregeln.
- Du hast keine Anbindung an eine Warenwirtschaft oder Buchhaltung nötig.
- Du hast selbst Zeit – etwa 40 bis 80 Stunden für den ersten Aufbau.
Ein Shop dieser Art kostet dich die Tarifgebühr, vielleicht 200 bis 400 Euro für ein Theme, und deine Zeit. Eine Agentur würde daran wenig verbessern.
Wann sich eine Agentur rechnet
Umgekehrt gibt es fünf Situationen, in denen Selbermachen regelmäßig teurer wird:
Anbindung an bestehende Systeme. Warenwirtschaft, Buchhaltung, Lager, Kassensystem im Ladengeschäft. Solche Schnittstellen sind der häufigste Grund für Agenturprojekte – und der Bereich, in dem selbstgebaute Lösungen mit fünf verketteten Apps am schnellsten kippen.
Komplexe Produktlogik. Konfigurierbare Produkte, Staffelpreise, Kundengruppen mit unterschiedlichen Preisen, Mindestbestellmengen, B2B neben B2C. Shopify kann das, aber nicht durch Anklicken.
Migration eines bestehenden Shops. Umzug von WooCommerce, Shopware oder Magento mit Bestandskunden, Bestellhistorie und – am wichtigsten – funktionierenden Weiterleitungen aller alten Adressen. Ein Umzug ohne saubere Weiterleitungen kostet regelmäßig einen erheblichen Teil des organischen Traffics.
Ein Shop, der Geld verdient. Ab einem gewissen Umsatz ändert sich die Rechnung. Wenn ein Prozent mehr Abschlussquote 3.000 Euro im Monat bedeutet, ist ein Optimierungsbudget kein Kostenpunkt, sondern eine Investition mit Rendite.
Internationalisierung. Mehrere Länder, Währungen, Steuersätze und Sprachen. Machbar, aber voller Details, die man einmal falsch macht und dann jahrelang mitschleppt.
Was Shopify selbst kostet
Bevor du über Agenturhonorare redest, solltest du die laufenden Plattformkosten kennen. Die deutschen Tarife, Stand Sommer 2026:
| Tarif | pro Monat bei Jahresabo | pro Monat bei monatlicher Zahlung | Kartengebühr online (EU-Karte) | Aufschlag bei externem Zahlungsanbieter |
|---|---|---|---|---|
| Starter | – | 5 € | – | – |
| Basic | 25 € | 36 € | 2,1 % + 0,30 € | 2,0 % |
| Grow | 66 € | 105 € | 1,8 % + 0,30 € | 1,0 % |
| Advanced | 289 € | 384 € | 1,6 % + 0,30 € | 0,6 % |
| Plus | ab 2.100 € | ab 2.100 € | verhandelbar | 0,2 % |
Zwei Dinge dazu. Erstens: Der Unterschied zwischen Jahres- und Monatszahlung ist erheblich – beim Grow-Tarif sind es rund 470 Euro im Jahr. Zweitens: Karten von außerhalb der EU und American Express kosten deutlich mehr, bei Amex etwa 3,2 Prozent im Basic-Tarif. Wer viel international verkauft, sollte mit den höheren Sätzen rechnen, nicht mit den Standardwerten.
Prüf die aktuellen Konditionen vor Vertragsabschluss. Shopify passt Preise und Tarifnamen regelmäßig an, und die deutschen Euro-Preise weichen von den auf englischsprachigen Seiten genannten Dollar-Beträgen ab.
Der Posten, den fast alle unterschätzen, steht nicht in dieser Tabelle: Apps. Ein durchschnittlicher Shop nutzt zwischen 6 und 15 kostenpflichtige Apps, meist 10 bis 50 Euro pro App und Monat. Bewertungen, Abo-Funktion, erweiterte Suche, Versandregeln, Newsletter, Retourenportal – das summiert sich schnell auf 150 bis 400 Euro monatlich, dauerhaft.
Ein guter Grund für eine Agentur ist ausgerechnet die Fähigkeit, Apps zu vermeiden: Was eine App für 39 Euro im Monat macht, ist manchmal eine Anpassung, die einmalig 600 Euro kostet und danach nichts mehr.
Was eine Agentur kostet
Grobe Orientierung für den deutschen Markt:
Theme-Setup mit Anpassungen: 3.000 bis 10.000 Euro. Gekauftes Theme, angepasst an dein Corporate Design, Produkte eingerichtet, Zahlung und Versand konfiguriert, rechtliche Seiten geprüft. Für die meisten Einsteiger die richtige Größe.
Individueller Shop: 15.000 bis 50.000 Euro. Eigenes Design, eigene Vorlagen, individuelle Funktionen, meist mindestens eine Schnittstelle.
Shopify Plus mit Systemanbindung: ab 50.000 Euro. Mehrere Shops, mehrere Länder, Anbindung an ERP, individuelle Kassenprozesse.
Laufende Betreuung: 500 bis 5.000 Euro monatlich. Von "wir kümmern uns um Updates und kleine Änderungen" bis zu einem festen Team, das kontinuierlich testet und optimiert.
Stundensätze liegen bei spezialisierten E-Commerce-Agenturen meist zwischen 100 und 180 Euro.
Ab wann Shopify Plus?
Die häufigste Frage nach der Agenturfrage. Rechne es einfach aus: Der Advanced-Tarif kostet 289 Euro im Monat, Plus beginnt bei rund 2.100 Euro. Die Differenz von etwa 1.800 Euro monatlich musst du über niedrigere Transaktionsgebühren oder über die Zusatzfunktionen wieder hereinholen.
Nur über die Gebühr für externe Zahlungsanbieter gerechnet – 0,6 Prozent bei Advanced gegen 0,2 Prozent bei Plus – bräuchtest du rund 450.000 Euro Monatsumsatz, damit sich der Wechsel allein daraus trägt.
Plus rechnet sich also nicht über die Gebühren, sondern über die Funktionen. Vorher lohnt es sich nur, wenn du konkrete Funktionen brauchst: mehrere Shops unter einem Vertrag, anpassbaren Bezahlvorgang, höhere Grenzen bei Programmierschnittstellen, B2B-Funktionen.
Wenn eine Agentur dir Plus empfiehlt, ohne diese Rechnung aufzumachen, frag nach. Sie verdient an Plus-Projekten mehr.
Woran du eine gute Shopify-Agentur erkennst
Sie fragt nach deinen Zahlen, bevor sie ein Angebot macht. Umsatz, durchschnittlicher Warenkorb, Abschlussquote, wichtigste Traffic-Quellen. Ohne diese Zahlen ist jede Empfehlung geraten.
Sie zeigt dir Shops, die live sind. Nicht Bildschirmfotos, sondern Adressen, die du selbst aufrufen kannst. Kauf dort testweise etwas und schau dir den Bezahlvorgang an.
Sie redet über den Bezahlvorgang, nicht nur über die Startseite. Die Startseite ist das, was in Referenzen gut aussieht. Der Umsatz entsteht zwischen Produktseite und Bestellbestätigung.
Sie ist ehrlich zu Apps. Eine Agentur, die für jedes Problem eine App vorschlägt, verdient womöglich an Empfehlungsprovisionen. Eine gute Agentur erklärt dir, welche Apps du wirklich brauchst und welche du nach dem Start wieder abbestellen kannst.
Sie kennt die deutschen Pflichten. Grundpreisangaben, Widerrufsbelehrung mit funktionierendem Muster-Widerrufsformular, Versandkostenangaben, Bestellbutton mit korrekter Beschriftung – und seit dem 28. Juni 2025 die Anforderungen aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das den elektronischen Geschäftsverkehr ausdrücklich einschließt. Ausgenommen sind bei Dienstleistungen nur Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz; wer physische Produkte vertreibt, fällt auch als Kleinstunternehmen darunter.
Shopify ist ein amerikanisches Produkt; die Standardeinstellungen bilden deutsches Recht nicht vollständig ab. Eine Agentur, die das Thema nicht von sich aus anspricht, hat noch keinen Abmahnfall erlebt.
Sie sagt dir, was du selbst machen sollst. Produkttexte, Bilder, Kategoriestruktur – wer das komplett auslagert, zahlt viel für Inhalte, die niemand so gut kennt wie er selbst.
Der praktische Einstieg
Wenn du unsicher bist, ob du eine Agentur brauchst, gibt es einen billigen Test: Setz den Shop selbst auf, mit einem gekauften Theme und deinen zehn wichtigsten Produkten. Du lernst dabei in zwei Wochen mehr über deine eigenen Anforderungen als in fünf Agenturgesprächen – und du kannst danach eine Anfrage schreiben, die konkret genug für vergleichbare Angebote ist.
Quellen
Alle Angaben zuletzt geprüft am 8. September 2026.
- Shopify: Preise und Tarife für Deutschland – Grundgebühren, Kartengebühren, Aufschläge für externe Zahlungsanbieter
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – Geltungsbereich für den elektronischen Geschäftsverkehr, Ausnahmen für Kleinstunternehmen
- Google Search Central: Weiterleitungen und Google Suche – Vorgehen bei Shop-Migrationen
Shopify passt Preise und Tarifnamen regelmäßig an, und die Euro-Preise weichen von den auf englischsprachigen Seiten genannten Dollar-Beträgen ab. Die Angaben zu Agenturhonoraren und App-Kosten sind Erfahrungswerte aus dem deutschen Markt, keine erhobenen Daten.